PERMETEX® BLOG://Der richtige Umgang mit Bettwanzen – ein Interview mit dem renommierten Schädlingsbekämpfer Daniel Krämer

Der richtige Umgang mit Bettwanzen – ein Interview mit dem renommierten Schädlingsbekämpfer Daniel Krämer

Herr Krämer, Sie führen das Unternehmen ‚MIB Schädlingsbekämpfung in Berlin‘, das unter anderem auf die Bekämpfung von Bettwanzen spezialisiert ist. Kann man sagen, dass in den letzten Jahren ein deutlicher Zuwachs an Bettwanzenbekämpfungen zu verzeichnen ist? Und woran lässt sich das erkennen?

Ja, der Bettwanzenbefall bzw. die Bekämpfung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Das erkennt man an den zunehmenden Befallszahlen. Vor 30 Jahren hatten wir alle halbe Jahre eine Bettwanzenbekämpfung und jetzt im letzten Jahr hatten wir um die 750 Bekämpfungen. Die Befallszahlen haben über die letzten 10 Jahre deutschlandweit stetig zugenommen. Erst waren größtenteils die Großstädte betroffen, denn je größer eine Stadt ist und je dichter die Leute beieinander wohnen, desto größer ist die aktive und passive Verbreitung der Bettwanzen. Ganze Wohnblocks und Plattenbauten sind einfach gefährdeter, als wenn in kleinen Städten Häuser einzeln stehen. Heute sind Bettwanzen bereits überall anzufinden.

Was glauben Sie, woran die Zunahme liegt?

Ich denke, dass die Globalisierung nicht die Hauptursache der Bettwanzenverbreitung ist, denn auch vor zehn Jahren sind die Menschen schon viel geflogen und viel gereist. Vielmehr weiß man aus Überlieferungen, dass es immer wieder Hoch-Zeiten für die Verbreitung von Bettwanzen gab. Diese Fluktuationen unterliegen einem simplen Kreislauf:
Bettwanzen treten auf und werden erfolgreich bekämpft. Über die Jahre geht das Wissen und die Handhabe der Bekämpfung aufgrund fehlender Notwendigkeit verloren, sowohl bei der betroffenen Bevölkerung, als auch bei den Schädlingsbekämpfern. Zusätzlich entwickeln die Bettwanzen mit der Zeit Toleranzen gegen bestimmte Chemikalien – sie passen sich an. Wenn dann neue Bettwanzenfälle auftreten, dauert es wieder eine Weile, bis die Bekämpfung so funktioniert, dass die Bettwanzen wieder verschwinden. Diese Phase haben wir im Moment.
Ihren Ursprung finden die Bettwanzen übrigens bei den Höhlenbewohnern. Damals wurden die sogenannten Fledermauswanzen von Fledermäusen auf Höhlenbewohner übertragen. Seit dieser Zeit begleiten sie den Menschen, mal mehr, mal weniger.

Die letzte Hochzeit der Bettwanzenverbreitung in Europa war zwischen 1920-1940. Damals wurde zur Bekämpfung unter anderem die Chemikalie DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) eingesetzt. Die Bettwanzen wurden über die Jahre erfolgreich bekämpft und galten bis auf wenige vereinzelte Fällen fast schon als ausgestorben.

Nun ist mit der fehlenden Notwendigkeit der Bekämpfung in den letzten Jahrzehnten auch das Wissen im Umgang mit Bettwanzen wieder verloren gegangen. Wenn 30 Jahre lang keine Bettwanzen bekämpft werden müssen, dann scheitert es oft schon einfach daran, eine Bettwanzen von einem Käfer zu unterscheiden.

Mittlerweile gibt es zunehmend gute Konzepte zur Bettwanzenbekämpfung. Konzepte, die sich ständig weiterentwickeln, die über den simplen Einsatz von Insektiziden hinausgehen und zur Bekämpfung die genaue Analyse der Entwicklungsstadien und Lebensweisen der Bettwanzen einfließen lassen. Und natürlich ist es wichtig, dass die Bevölkerung wieder für das Thema Bettwanzen und den Umgang mit ihnen sensibilisiert wird.
Es kann also durchaus sein, dass wir in 10-15 Jahren eine Art der Bekämpfung gefunden haben, die so gut funktioniert, dass die Bettwanzen für die nächsten 30-40 Jahre wieder verschwunden sein werden.

Woran kann man erkennen, dass ein Hotelzimmer von Bettwanzen befallen ist?

Ganz einfach: Wenn man ausgewachsene Tiere mit bloßem Auge erkennen kann, liegt ganz klar ein Bettwanzenbefall vor. Die Larven- bzw. Nymphenstadien sind schwieriger zu erkennen, weil sie den ausgewachsenen Bettwanzen nicht ähneln. Erst im Laufe der 5 Entwicklungsstadien werden sie einer ausgewachsenen Bettwanze immer ähnlicher.
Außerdem scheiden Bettwanzen nachdem sie beim Menschen Blut gesaugt haben, Kot aus. Dieser Kot sieht aus, wie kleine schwarze oder braune Punkte. Lassen sich die schwarzen Punkte mit einem feuchten Tuch verwischen bzw. abwischen, kann man davon ausgehen, dass sich Bettwanzen in dem Zimmer befinden.

Wo im Hotelzimmer muss man nach Bettwanzen suchen?

In den Fugen und Ritzen des Bettgestells, wenn man die Matratze anhebt. Bettwanzen halten sich gern in der Nähe des Wirts auf, überall dort, wo es recht dunkel ist und wo harte Oberflächen aufeinandertreffen, in die sich die Bettwanzen reinzwängen und verstecken können. Sie können aber auch hinter Bildern an der Wand sein, in Scheuerleisten oder Steckdosen. Bettwanzen mögen keine weichen Oberflächen und sie meiden ganz glatte Oberflächen, weil sie aufgrund ihrer Konstitution nicht die Fähigkeit besitzen an glatten Flächen entlang zu krabbeln. Entwicklungsbedingt bevorzugen Bettwanzen harte Oberflächen, ähnlich wie in einer Höhle. Wenn ein ganz starker Befall vorliegt, dann sitzen sie auch in der Matratze. Aber normalerweise ist bei einem mittelstarken Befall die Matratze eigentlich nicht das Problem.

Sind Bettwanzen auch in der Bettwäsche?

In der Bettwäsche sind Bettwanzen normalerweise nicht. Es sei denn die Bettwanze ist gerade auf dem Weg zum Menschen und hält sich da noch auf. Wenn ich die Bettwäsche gerade dann zusammenlegt, kann die Bettwanze ggfs. auch in der Bettwäsche sein.

PERMETEX® bietet Produkte mit denen man sich auf Reisen präventiv vor Bettwanzen schützen kann. Was halten Sie davon?

Ich finde die PERMETEX® Produkte sehr sinnvoll. Gerade wenn man viel reist, ist das PERMETEX® Laken hilfreich, um sich vor Bettwanzen zu schützen. Man legt das Laken einfach auf das Hotelbett, kann darauf sicher schlafen und muss sich um nichts mehr Gedanken machen.

Gibt es noch andere Möglichkeiten, sich auf Reisen präventiv vor Bettwanzen zu schützen?

Normalerweise kommen die Leute in ihr Hotelzimmer, legen den Koffer auf das Bett, packen ein paar Sachen aus, ziehen ein frisches T-Shirt an und gehen in die Stadt, um etwas zu erleben. Alles in Ordnung.
Doch genau hier ist schon der schwierige Moment. Eigentlich müsste es verboten werden, Koffer direkt auf das Bett zu legen, denn dann wäre die Verbreitung der Bettwanzen schon eingeschränkter. Man sollte sein Gepäck grundsätzlich hoch lagern, z.B. auf der Gepäckablage. Zumindest aber möglichst weit entfernt vom Bett. Kleidung kann man auf einen Kleiderbügel in den Schrank hängen, da ist sie für Bettwanzen einfach schlecht zu erreichen. Die Kleiderstange ist glatt und kalt und die Kleidung selbst hat keinen Kontakt zum Boden.

Und ich denke, wenn jeder Hotelgast sich die 2 Minuten Zeit nähme, um an den wichtigsten Stellen, nach Bettwanzen oder Spuren von Bettwanzen zu suchen, und dies dem Hotel melden würde, könnte das Hotel schneller reagieren. Es könnte eine Bekämpfung einleiten, bevor sich die Bettwanzen auch noch auf die angrenzenden Zimmer verbreiten.

Was kann ich tun, wenn mein Gepäck von Bettwanzen befallen ist?

Zuerst rät es sich, das Gepäck vor der Haus- bzw. Wohnungstür abzustellen. Von dort sollte es zunächst in die Badewanne gebracht werden. Die Badewanne empfiehlt sich, weil Bettwanzen sich auf glatten Flächen nicht vorwärtsbewegen können, d.h. sie können aus der Badewanne nicht raus. Ein weiterer Vorteil ist, dass Badewannen zumeist hell und Bäder im Allgemeinen hell gefliest sind – optimal um Bettwanzen schnell zu erkennen. Bei kurzen Wegen trägt man das Gepäck (Koffer, Rucksack, Reisetasche usw.) zur Badewanne. Wem das zu gefährlich ist, der kann das Gepäck auch zuvor in große Mülltüten verpacken, um es zur Badewanne zu tragen.

Alle Kleidung, die man trägt, muss ebenfalls in die Badewanne (inklusive Schuhe, Jacke etc.), denn Bettwanzen können überall sein.
Um doppelt sicher zu gehen, kann man auch den Körper nochmal inspizieren, aber für gewöhnlich halten sich Wanzen nicht für längere Zeit am Körper des Menschen auf.
Den Inhalt des Gepäcks, die getragene Kleidung etc. füllt man komplett in Mülltüten um und verschließt diese sorgfältig.
Scharfkantige Utensilien, wie Waschtasche oder deren Inhalt, Laptop o.ä. kann man auch selbst auf Bettwanzen untersuchen – theoretisch kann man die 1-9 mm großen Bettwanzen und auch die weißlichen Nymphen mit bloßem Auge erkennen. Wenn man keine Wanzen findet, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass diese Dinge befallen sind. Sicherheitshalber danach erstmal noch in eine Tüte gelegt werden, um diese weiter zu beobachten.

Alle waschbaren Sachen wäscht man nach und nach bei 60°C in der Waschmaschine. Achtung! Man sollte darauf achten, dass wenn man die Sachen aus der Mülltüte nimmt, um sie in die Waschmaschine zu legen, dass dabei keine Bettwanzen auf den Boden fallen. Die leeren Koffer, Reisetaschen oder Rucksäcke steckt man ebenfalls in eine Mülltüte, verschließt diese und stellt sie für vier Monate in den Keller.

Wie und wie lange sollten die Tüten, in die man befallenes Gepäck verstaut hat, aufbewahrt werden?

Trocken und möglichst warm. Bei normaler Zimmertemperatur sterben die Bettwanzen spätestens nach vier Monaten, weil Wärme den Stoffwechsel der Tiere beschleunigt. Ist es dazu noch sehr trocken, geht es sogar noch schneller. In einer feuchten, kühlen Umgebung können Bettwanzen ausgesprochen lange überleben. Deshalb verkriechen sie sich für gewöhnlich in Ritzen und Fugen, in denen die Feuchtigkeit besser gehalten wird. Im Kühlschrank bei einer Temperatur von 5°C können sie sogar bis zu einem Jahr überleben.

Sterben Bettwanzen auch in einer Gefriertruhe?

Ja, nur sollte man zumindest nicht gleich große Mengen einfrieren. Denn hier besteht die Gefahr, dass die Kälte die Bettwanzen nur langsam erreicht und dann hätte die Bettwanze Zeit sich an die Kälte zu gewöhnen. Um sicher zu gehen, dass die Bettwanze dabei abgetötet wird, müssten die Sachen zumindest über mehrere Tage in der Gefriertruhe verbleiben. Kleinere Sachen eignen sich dafür eher. Denn wenn die Kälte die Bettwanzen schnell erreicht, ist meistens schon ein halber Tag ausreichend.

Kann man einen befallenen Koffer auch in den Müll werfen?

Wenn der Müll verbrannt wird, ist es gut. Problematisch ist es, wenn jemand sich den Koffer wieder aus dem Müll raussammelt und in seine Wohnung trägt. Das gleiche gilt übrigens auch für gebrauchte Möbel. Auch Möbel vom Sperrmüll können mit Bettwanzen befallen sein. Holt man sich diese ins Haus hat man ggfs. auch die Bettwanze im Haus.

Und was macht man, wenn man zuhause vermutet bzw. feststellt, dass man bereits Bettwanzen hat?

Dann sollte man in jedem Fall einen Schädlingsbekämpfer beauftragen.
Um dem Schädlingsbekämpfer optimale Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, sollte man sich mit einer Vorbereitungsliste (z.B. Bettwanzen-Checkliste) auf den Besuch des Schädlingsbekämpfers vorbereiten. Denn um die Verstecke der Bettwanzen gut zu erreichen, muss vor allem der Zugang zu ihnen gewährt werden. Der Schädlingsbekämpfer hat nur dann eine Chance, wenn er sein Bekämpfungsmittel in den Fugen und Ritzen ausbringen kann, in denen sich die Bettwanzen verstecken. Ein flächiges Bekämpfen ist nicht sinnvoll und führt eher zu Resistenzen, darüberhinaus ist es schlichtweg verboten.

Sinnvolle Vorbereitungsmaßnahmen sind zum Beispiel:
– Textilien waschen bei 60°C oder z.B. bei 45°C eine halbe Stunde in den Trockner legen, denn Bettwanzen denaturieren bei 43,3°C, d.h. wenn man die Textilien auf 50°C erhitzt, stirbt die Bettwanze auf jeden Fall
– Steckdosen und alles, was an der Wand hängt, abmontieren
– Bilder von der Wand abnehmen
– ggfs. Scheuerleisten aufnehmen
– Bettgestelle auseinandernehmen, das Lattenrost entfernen
– alle Sachen zusammenräumen
– Schränke wegen des Zugangs zur Rückwand ggfs. notfalls abrücken
– Dübellöcher in den Wänden kontrollieren, ggfs. die Dübel rausnehmen
– wenn etwas in der Wohnung verkleidet ist, dieses abmontieren

Solche Vorbereitungen sind zwar ein großer Aufwand, tragen aber zur schnellen und wirksamen Bekämpfung maßgeblich bei.

Herr Krämer, vielen Dank für das Interview.

Von | 2018-05-18T17:28:32+00:00 18.05.2018|Insekten & Ungeziefer|